FC Deutschland

Ein Sonntag, den man so schnell nicht vergessen wird. Ein Sonntag, an dem die eine Partei freudestrahlend einen Verlust feiert und eine andere das Jahrhundertergebnis feiert. Aber auch ein Sonntag, der den Zenit zweier Parteien neu definiert und den großen Verlierer der Wahl mit Scherben überhäuft. So viel zu meinen Erfahrungen aus dem gestrigen Abendfernsehen und der heutigen Presse. Erstaunlicher Weise, lässt sich das Geschehene durch einen Vergleich ganz gut karikieren und ein Ausblick erstellen, was uns in den kommenden Jahren erwarten könnte. Ganz unabhängig von den Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise!

„Nach dem Spiel, ist vor dem Spiel“, „22 Mann laufen einem Ball hinterher und am Ende gewinnt Deutschland“ und „Foul ist, wenn der Schiedsrichter pfeift“ sind Zitate aus der Fußballwelt, die selbst die kleinen Jungs in der E-Jugend schon beherrschen und verinnerlicht haben. Politikern das Spielverständnis eines E-Jugendlichen vorzuwerfen wäre sicherlich amüsant, würde aber dem Spielwitz gewisser Größen sicherlich nicht gerecht werden. So stellt sich nun die Frage, wer das Kabinett der neuen Tigerenten-Regierung bilden soll. Dazu Vermutungen zu formulieren, würde meine politische Bildung vollkommen übersteigen und ein munteres Abkupfern aus FAZ oder anderen Zeitungen nach sich ziehen.
„Nach dem Spiel, ist vor dem Spiel“
Der nächste Wahlkampf ist 2013, also genug Zeit, um intensive Trainingslager durchzuziehen und sich auf den größten Politwettbewerb Deutschlands vorzubereiten. Wie auch im Fußball kann man Turniere nach Größenklassen einteilen. Auch wenn wir uns mit dem aktuellen Wahlkalender fast einer saisonalen Form mit regelmäßigen Spielen nähern, so sind die Wahlen (zum Glück NOCH) Turniere auf Ebene von Freundschafts-, Europa- oder Weltmeisterschaftsturnieren. Waren die Wahlen in Bayern bis vor Kurzem noch Freundschaftsturniere, zu denen die CSU alle anderen Parteien einlud, um ihnen richtig den Hintern zu versohlen, so ist in der Zeit nach dem allmächtigen Libero aus Bayern – Ede Stoiber ist hier gemeint – auch hier eine spielstarke FDP, die das flügellahme Spiel der CSUler deutlich belebt hat, aufgetaucht. Natürlich muss man berücksichtigen, dass die CSU ihrer Starstürmer an die erste Mannschaft der Bundestagsfraktion von CDU/CSU verloren hat und ein Karl-Theodor als zentrale Spitze eventuell ein anderes Ergebnis eingefahren hätte.

Allerdings ist auch Die Linke mit ihren drei Wadenbeißern und die Grünen mit ihren Schönspielern oder auch Trainingsweltmeistern, die im richtigen Spiel nichts reißen, an einem Punkt angekommen, an dem sie feststellen müssen, dass es zu mehr als der Turnierqualifikation meistens nicht reicht. Genießt Die Linke in Brandenburg noch den Heimvorteil, ist sie in den meisten anderen Ländern deutlich an ihre obere Grenze gestoßen! Allerdings sollen die Plätze in Brandenburg in so einem schlechten Zustand sein, dass man berücksichtigend feststellen muss, dass hier ein gepflegtes Kurzpassspiel kultivierter Mannschaften dem populistischen Getrete deutlich unterlegen ist. Man könnte also meinen, dass eine Landtagswahl einem Europameisterschaftsturnier gleichkommt und dort, je nach Region, durchaus unterschiedliche Mannschaften mit den (polit-)klimatischen Bedingungen besser umgehen zu können.

Doch von zentraler Bedeutung ist natürlich die Weltmeisterschaft. Hier gab es zwei faustdicke Überraschungen. Setzten sich in der Gruppenphase (also über die 5%-Hürde) noch alle Favoriten durch, so gab es ab dem Viertelfinale doch tumultartige Überraschungen. Während die CDU/CSU-Fraktion mit vielen Gegentoren durch die Runden zog, aber immer ein Tor mehr als der Gegner schoss (egal welcher) und sich am Ende ungefährdet durchsetzte, fanden andere Parteien sich schneller als Zuschauer wieder als ihnen lieb war. Natürlich befindet sich die SPD in einem strukturellen Umbruch und die Jugendarbeit wurde auch lange Zeit vernachlässigt. Die konditionellen Werte ehemaliger Spitzenspieler – wie Münte – sind im Keller angekommen und sich nur auf die Erfahrung weniger Stützen zu verlassen, reicht nicht. Verglichen mit einer WM, wäre die SPD wohl im Halbfinale mit einem 0:5 untergegangen und müsste sich von der heimischen Presse einiges anhören. Interessant wäre natürlich zu sehen, wer der SPD diese Niederlage zugefügt hat. Einfach wäre es, zu sagen, dass Die Linke die Linken der SPD hinzugewonnen hat. Aber das wäre zu einfach. Im Halbfinale ist die SPD an der CDU/CSU gescheitert, die nicht wie nach Kiesinger an der SPD scheiterten. Es ist der „jugendliche“ Elan eines Karl-Theodor, die den totalen Absturz einer CDU/CSU verhinderten.

„…und am Ende gewinnt Deutschland“
Man könnte Deutschland auch mit der CDU/CSU gleichsetzen, aber das würde der grandiosen Leistung der FDP nicht gerecht werden. Denn die Union wäre nicht Regierungspartei ohne den Neueinkauf Westerwelle. Der neue Turm in der Abwehrschlacht hat sich in der 2.Liga (Opposition) die nötige Härte und Beständigkeit für den Job als Abwehrchef geholt. Durch überragende Standhaftigkeit und eine klare Linie im Aufbau, empfahl sich Guido schnell für die 1.Liga (Regierung). Doch erst zum Ende der regulären Saison konnte sich Spielführerin Merkel dazu entschließen, sich von ihrem bisherigen 6er Frank-Walter zu trennen und klar Stellung für die neue Saison bzw. das anstehende Turnier zu beziehen. Es wäre schwierig, hier nur von Turnieren zu sprechen, da der Regierungsalltag doch einer Saison am nächsten kommt.

Fraglich ist natürlich, ob Deutschland nun am Ende gewonnen hat. Die Antwort der Parteien darauf ist denkbar eindeutig: während das bürgerliche Lager sich selbst und den Titel feiert, murren die anderen rum, sprechen von einem unverdienten Sieg und hadern mit dem Schiedsrichter. Doch am Ende wird auch hier die Vernunft siegen und man wird sich fragen, welche eigenen Fehler zu einem solchen Ergebnis geführt haben. Personelle Konsequenzen nicht ausgeschlossen. Insbesondere die SPD wird darüber nachdenken, ob sich Jugendarbeit nicht doch noch auszahlen könnte!

„Foul ist, wenn der Schiedsrichter pfeift“
Das war das Motto des neuen Abwehrturms in der neuen Regierungsmehrheit. Wahlkampf bedeutet auch immer persönliche Verunglimpfung durch nicht ganz saubere Zweikämpfe. Provokationen und kleine Seitenhiebe sind an der Vorstellung von FDP-Saubermann Westerwelle abgeprallt, der die Anweisungen des Trainers klar umsetzt und keinerlei Foulspiel beging. Turniersieg ohne Foulspiel und als fairster Spieler des Turniers ausgezeichnet. Zwei Titel, die Westerwelles neue Position als „ernster Guido“ untermauern dürften. Auf der anderen Seite stehen die Raubeine der Linken, die ebenfalls jeden Zweikampf annahmen, sich jedoch eher in Gattuso-Manier auf ihre Gegenspieler stürzten und dadurch auch selber die ein oder andere Blessur davontrugen. In der Hinsicht fallen ebenfalls die beiden ehemaligen „Volksparteien“ auf, die sich in den Zweikämpfen auffällig zurückhielten.

„Nachberichterstattung“
Die Analyse des Turniers zeigt, dass die CDU/CSU, trotz großer Schwächen in der Abwehr, als zufriedener Siegerverlierer vom Platz geht. Die FDP ist erfreut, dass sie demnächst, auch bei Weltmeisterschafts- und nicht nur bei Freundschaftsturnieren, das Flügelspiel und die Innenverteidigung der CDU/CSU bereichern darf. Die SPD im Gegensatz dazu, muss sich dringend der Kernfrage stellen und die Zusammenstellung des Kaders überarbeiten. Die Linke und die Grünen müssen sich fragen, ob die aktuell besetzte Position bei der nächsten Weltmeisterschaft noch dafür reicht, um das Achtelfinale (10%-Hürde) zu überstehen. Und am Ende leben wir in einer Demokratie, in der es darauf ankommt, dass eine Regierung klare Ziele vor Augen hat. Daran werden CDU/CSU und die FDP in den nächsten Wochen arbeiten müssen, da die neue Saison ansonsten Ausmaße des Berliner Fußballklubs annehmen wird. Und weder Angela noch Guido wollen ab 2013 wieder in der 2.Liga spielen!

1 Kommentar bisher

  1. guidowatch on

    Neueinkauf Guido – und auch hier wird man feststellen: Geld schiesst keine Tore. http://guidowatch.wordpress.com


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